Kategorie: Workflow

  • Meine Bin-Struktur in DaVinci Resolve

    Meine Bin-Struktur in DaVinci Resolve

    Warum meine Ordner in DaVinciResolve immer gleich sind.

    Als Filmeditor*in bzw. Cutter kennt ihr das: Neues Projekt kommt rein, Material kopiert auf die Arbeitsfestplatte und im Schnittprogramm deiner Wahl (bei mir in 95% der Fälle DaVinci Resolve) muss das neue Projekt angelegt werden. Der Beginner legt im besten Fall einen halbwegs einleuchtenden Projektnamen an und wirft anschließend nach und nach alles an Material in den Master-Bin was gebraucht wird. Vielleicht wird es dann irgendwann so unübersichtlich, dass ein paar Bins (Ordner im Schnitt-Sprech) erstellt werden und so wandern dann vielleicht Videodaten in „Rohmaterial“ und Timelines (die Schnitte) in „Cutz“ oder „Edits“ oder ähnliches.

    Seh ich so immer noch bei erfahrenen Editor*innen. Ist nicht meins. Nennt mich pedantisch, aber ich brauche eine Grundordnung im Projekt. Und da ist es auch einfach enorm von Vorteil, wenn diese Grundordnung immer gleich aussieht. Also nicht mal „Footage“, mal „video“, mal „Source“ und ein weiteres mal „Rohmaterial“, sondern eben nach gleichbleibendem Schema.

    An der Stelle setzt ein bei mir über die Jahre verfeinertes System aus einer festen Ordner- bzw. Bin-Struktur ein. Ein Mittelding aus: nicht zu wenig Ordner, damit ich nicht bei jedem zweiten Projekt wieder Bins ergänzen muss und auf der anderen Seite aber auch nicht einer viel zu detaillierten Struktur, die versucht jeden noch so kleinen Spezialfall abzudecken.

    Bei meiner aktuellen Struktur muss ich in 90% meiner Schnittprojekte keine weiteren Bins mehr hinzufügen.

    Stellt sich vielleicht noch die Frage nach dem „Warum überhaupt den ganzen Stress“? Mal meinen inneren Monk außen vor gelassen, hat so eine standardisierte Ordnerstruktur drei ganz klare Vorteile:

    1. Wiederauffindbarkeit von Material innerhalb eines Projekts. Auch wenn ich Monate später das Projekt wieder öffne, weiß ich sofort, wo ich was finde.
    2. Kein unnötiges Nachdenken beim Start, keine Zeitvergeudung mit stupidem Anlegen von ~20 Bins. Ich kann mich direkt mit dem Material selbst beschäftigen.
    3. Ein gut organisiertes Projekt nach immer demselben Schema erleichtert die Übergabefähigkeit an andere Editoren ungemein.

    Hier meine Struktur im Klartext:


    ├── AUDIO
    │ ├── vo
    │ ├── sfx
    │ └── music
    ├── EDITS
    │ ├── old
    │ └── AM_Promo
    ├── FOOTAGE
    │ ├── main
    │ └── b-cam
    └── GRFX
    ├── logos
    ├── render
    ├── elements
    ├── CMPDs


    Gehen wir die Ordner mal der Reihe nach durch:

    AUDIO (vo, sfx, music)

    Hier liegt alles was Tonmaterial ist. Also hauptsächlich Voiceovers (vo), Soundeffekte (sfx), Musik (music). Atmo-Ton von externen Aufnahmequellen habe ich einigermaßen selten und falls doch werden die schnell per Drag & Drop-Trick eingebunden – dazu später mehr.

    EDITS

    Hier liegen meine Schnitte/Timelines. Mehr Sortierung brauche ich an der Stelle eigentlich nicht, zum Ende jeden Schnitts kommen alle nicht mehr aktuellen Timelines in den Bin „old“. Der Ordner „AM_Promo“ enthält vorgefertigte Timelines für Exporte für meinen Instagramkanal etc. Das wird noch ein eigener Artikel.

    FOOTAGE

    Hier liegt mein Video-Rohmaterial. Ein Ordner für die Hauptkamera, einer für Inserts, Drittmaterial, Drohne/GoPro o.ä. – auch hier wird wieder mit Drag & Drop bei Bedarf zügig erweitert.

    GRFX

    Mein Ordner für alles was nicht Audio und nicht Rohmaterial ist.
    Hier landen Logos als PNG-Dateien (logos), Exportierte Animationen aus After Effects (render), Videoelemente wie Rauch, Feuer, Partikel, Lensflares o.ä. (elements) und Animationen in Form von Compoundclips (CMPDs).

    Und jetzt zum bereits erwähnten Drag & Drop-Trick:

    Das Bild zeigt eine Standard-Ordnerstruktur in Resolve. AUDIO, EDITS, FOOTAGE und GRAFX mit jeweils kleineren Unterordnern.

    Wenn ich einen Ordner aus dem Explorer-Fenster (Mac:Finder) in den linken Bereich meiner Bins ziehe, wird das darin enthaltene Material importiert und der Ordner erzeugt einen gleichnamigen Bin. Ziehe ich den Ordner allerdings ins rechte Feld, dann werden nur die Dateien importiert, aber kein neuer Bin erzeugt. Damit kann ich also genau festlegen, welche Bins hinzugefügt werden sollen und welche nicht.

    Und wie sorge ich nun dafür, dass ich zu jedem Projektstart diese Struktur vorliegen habe? Die pragmatische Lösung ist bei mir: Ich habe ein leeres Standardprojekt mit meinen favorisierten Settings, Timeline und Bin-Struktur erstellt. Kommt nun ein neues Projekt öffne ich dieses Standardprojekt und lege über „Save as“ das neue Projekt mit der korrekten Bezeichnung an.

    Diese Struktur ist zwar über die Jahre gewachsen, aber natürlich nicht in Stein gemeißelt und wird sich die kommenden Jahre mit Sicherheit noch weiterentwickeln.

    Jetzt die Frage an euch: Wie handhabt ihr das? Wie sehen eure Standardordner aus, oder bevorzugt ihr das kreative Chaos?